Liberale Vorschläge zur Überwindung der Arbeitslosigkeit Junger Menschen

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Antrag beschlossen vom 17. LaKo am Unbekannter Zeitraum
Antragsteller: Unbekannte Antragsteller
Gültigkeit: unbefristet


Liberale Vorschläge zur Überwindung der Arbeitslosigkeit Junger Menschen

Jugendarbeitslosigkeit ist jahrelang fast ausschließlich unter dem Aspekt der Bereitstellung von Ausbildungsplätzen für die geburtenstarken Jahrgänge gesehen worden. Die Auswirkungen des Pillenknicks haben den Arbeitsmarkt inzwischen jedoch in einigen Bereichen entlastet. Vor übertriebenem Optimismus muss aber gewarnt werden. Das Lehrstellenangebot orientiert sich zwar noch weitgehend an der Kapazität der letzten - geburtenstarken - Jahre, aber das Problem, den Jugendlichen nach der Ausbildung einen adäquaten Arbeitsplatz zu vermitteln, bleibt ungelöst. Im Herbst 1987 war fast eine halbe Million Jugendlicher unter 25 Jahren arbeitslos. Die Jungen Liberalen rufen nicht immer nach dem Gesetzgeber. Die Jungen Liberalen sprechen daher vielfach aus Empfehlungen an die Tarifvertragsparteien und an die Unternehmen aus, in dem Bewusstsein, gesellschaftlichen Wandel wohl durch gesellschaftlichen Druck in der Öffentlichkeit, nicht aber durch Gesetze herbeiführen zu können. Die Jungen Liberalen vertrauen auf die Eigeninitiative von Eltern und Jugendlichen, die ebenfalls Ziel unserer Empfehlungen sind. Berufsfindung Heute absolvieren über 90% eines Jahrgangs eine berufliche Ausbildung. Von den Jahrgängen, die zurzeit aus dem Erwerbsleben ausscheiden, können nur 50 bis 60% eine derartige Qualifikation aufweisen. Das spricht für das Engagement der Jugendlichen und ihre Bereitschaft zur Qualifikation. Aber noch zu viele Lehren werden abgebrochen, zu viele junge Menschen stellen fest, dass sie nicht das machen, was ihnen tatsächlich liegen würde. Eine schlechte Beratung bei der Berufsfindung lässt zu, dass Ausbildungsgänge ohne berufliche Zukunft viel zu oft gewählt werden. Vor allem junge Frauen treibt die staatliche Berufsberatung geradezu in Berufe wie Verkäuferin/Fachverkäuferin, Friseuse oder Bürokauffrau, die bereits heute von überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit und unterdurchschnittlichen Verdiensterwartungen gekennzeichnet sind. Die Jungen Liberalen fordern vom Bund: Das Monopol der Bundesanstalt für Arbeit ist aufzulockern. Auch private Träger, vor allem gemeinnützige Organisationen, sollen vermehrt zur Berufsberatung und -vermittlung zugelassen werden. Die Arbeitsämter sollen auf lokaler Ebene mit Betrieben aller Branchen Möglichkeiten für Schnupperwochen für Schüler vereinbaren, die eine breite Palette an Ausbildungsberufen vorstellen würden. Der Personalbestand der Berufsberatung ist durch qualifizierte Kräfte zu ergänzen. Eine derartige Maßnahme finanziert sich selbst: Gute Berufsberatung und erfolgreiche Berufsfindung verhindern Arbeitslosigkeit. Eltern und Jugendliche müssen von den Arbeitsämtern besser über den langfristigen Arbeitskräftebedarf informiert werden, nicht nur über gerade aktuelle kurzfristige Schwankungen. Die Jungen Liberalen fordern vom Land Bayern: Die Lehrpläne der Haupt- und Realschulen sind dahingehend abzuändern, dass für Schüler der 8. (Hauptschule) und 9. (Realschule) Jahrgangsstufe zwei Schnupperwochen in Betrieben vorzusehen sind. Die Schulleitungen haben dafür zu sorgen, dass die Schnupperwochen der einzelnen Klassen zu unterschiedlichen Zeitpunkten stattfinden, um eine Überlastung der örtlichen Betriebe zu verhindern. Die Schulleitungen und die Beratungslehrer der Schulen sollen die Schnupperwochen mit Arbeitsämtern und Betrieben koordinieren. Die Jungen Liberalen Bayern fordern von den Unternehmen: Kammern und Unternehmen sollen die nötigen Plätze für Schnupperwochen bereitstellen. Eine geringere Abbruchquote und motivierte Auszubildende sind auch in ihrem Interesse. Die Kammern sind weiter aufgefordert, Informationsabende und -ausstellungen zu organisieren, die an den Schulen nicht die bereits bekannten klassischen Berufe, sondern - vor allem für Mädchen - gerade neue und nicht so stark frequentierte , dafür aber zukunftsträchtige Berufsbilder vorstellen. Die Jungen Liberalen fordern von den Jugendlichen und ihren Eltern: Information ist auch eine Holschuld. Die Berufswelt ist ständigem Wandel unterworfen. Vielfach entsprechen die Vorstellungen der Eltern aus ihrer eigenen Jugend nicht mehr der Realität. Die Eltern sind aufgefordert, ihre Kinder nicht aufgrund traditioneller oder überkommener Vorstellungen, vor allem solcher, die das Rollenverständnis junger Frauen betreffen, in altbekannten, dafür aber chancenlosen Berufen ausbilden zu lassen. Die Jugendlichen selbst sind aufgefordert, sich zu informieren und nicht - nur um irgendetwas vorweisen zu können - eine beliebige Ausbildung aufzunehmen, sondern die eigenen Vorstellungen und die Berufsaussichten in Einklang zu bringen. Berufsausbildung Die Berufswelt verändert sich rasch. Junge Arbeitnehmer stellen oft fest, dass sie in ihrem erlernten Beruf keine Arbeit finden. Das mag an Betriebsschließungen liegen, oft aber auch daran, dass die technischen Neuerungen andere Qualifikationen erfordern. Schon in der Berufsausbildung sollte der Grundstein dafür gelegt werden, später auf Veränderungen der Berufswelt so flexibel reagieren zu können, dass Arbeitslosigkeit vermieden werden kann. Ziel einer Ausbildung muss es auch sein, einen späteren Berufswechsel zu erleichtern. Die Jungen Liberalen fordern vom Bund: Maßnahmen während der Ausbildung, die der Verbreiterung des beruflichen Horizonts und der späteren Flexibilität der Auszubildenden dienen, sollen hinsichtlich ihrer finanziellen Förderung wie Weiterbildungsmaßnahmen behandelt werden. Die Jungen Liberalen fordern vom Land Bayern: Daneben sind die Lehrpläne der beruflichen Schulen so zu gestalten, dass die fachliche Ausbildung auf eine breiteren Basis an allgemeinem Wissen und generellen Fähigkeiten gestellt wird. Die Jungen Liberalen fordern von den Unternehmen: Unternehmen sollten während der Ausbildung Grundkenntnisse aus den Fachgebieten vermitteln, mit denen der angestrebte Ausbildungsberuf die meisten Übereinstimmungen aufweist. Gerade kleine und mittlere Unternehmen sollen verstärkt gemeinsame Lehrwerkstätten einrichten. Die Jungen Liberalen fordern von den Tarifparteien: Der Kanon der anerkannten Ausbildungsberufe muss schneller als bisher den technischen Veränderungen und dem Bedarf der Wirtschaft angepasst werden. Weiterentwicklung darf nicht aus Traditionsbewusstsein heraus blockiert werden. Die Jungen Liberalen fordern von den Auszubildenden: Eine gute fachliche Ausbildung und eine umfangreiche Allgemeinbildung sind ein vorbeugendes Mittel gegen Arbeitslosigkeit. Die Auszubildenden sind daher in ihrem eigenen Interesse dazu aufgerufen, Eigeninitiative und Engagement zu zeigen und sich aus über das Notwendige und Prüfungsrelevante hinaus Kenntnisse und Wissen anzueignen. Übergang in den Beruf - Schwelle zur Langzeitarbeitslosigkeit Seit 1975 liegt die Arbeitslosenquote der 20-24-Jährigen immer höher als die der unter 20-Jährigen. Sie ist zudem ungefähr doppelt so hoch wie die allgemeine Arbeitslosenquote. Die Zahl der langfristig arbeitslosen Jugendlichen zwischen 20 und 24 Jahren hat sich seit 1975 multipliziert und liegt heute bei weit über 50.000. Das Risiko der Arbeitslosigkeit an der "zweiten Schwelle", dem Übergang von der Ausbildung in die Beschäftigung, besteht und nimmt weitere zu. Nicht Scheinlösungen zur Aufbesserung der Statistiken sind wichtig, sondern Projekte, die verhindern, dass junge Menschen den Anschluss an das Berufsleben unwiederbringlich verpassen. Die Jungen Liberalen Bayern fordern vom Bund: Auf Maßnahmen, die die Wirkung einer Warteschleife haben und das Problem der Jugendarbeitslosigkeit nur um kurze Zeit verzögern, ist zu verzichten. Die Arbeitsämter sollten jugendliche Langzeitarbeitslose, die noch über keine Berufsausbildung verfügen, verstärkt in handwerkliche Ausbildungsberufe vermitteln, die ohnehin Probleme haben, ihre Lehrstellen zu besetzen. Bereits ausgebildete jugendliche Langzeitarbeitslose sollten in stärkerem Umfang als bisher eine Förderung im Rahmen der ABM-Programme erfahren. Um zeitgleich auch noch Qualifizierungsmaßnahmen durchführen zu können, sollten auch Teilzeitarbeitsplätze als ABM-Stellen gefördert werden. Die Jungen Liberalen fordern vom Land Bayern: Für jugendliche Arbeitslose ohne qualifizierten Hauptschulabschluss müssten besondere Abschlussklassen zum Nachholen des qualifizierten Hauptschulabschlusses eingerichtet werden, in denen auf die spezielle Situation Rücksicht genommen wird. Die Jungen Liberalen fordern von den Unternehmern: Das Vorurteil, eine Berufsausbildung sei an ein bestimmtes Alter gebunden, muss gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen noch ausgeräumt werden. Die Unternehmen sollten junge Menschen auch dann als Mitarbeiter oder Auszubildende einstellen, wenn sie vorher längere Zeit arbeitslos waren. Im Gegenteil - es ist auch Aufgabe der Unternehmen dafür zu sorgen, dass diese Jugendlichen eine ausreichende Qualifikation erreichen. Die Jungen Liberalen fordern von den arbeitslosen jungen Menschen: Eine lange Such nach Arbeit ist zwar schwer und oft entmutigend - aber es gilt konsequent weiterzusuchen und Angebote auch dann anzunehmen, wenn sie nicht gerade der eigenen Traumvorstellung entsprechen. Geduld, Phantasie, viel Engagement und die Bereitschaft zu örtlicher Mobilität sind Voraussetzungen für ein erfolgreiches Ausbrechen aus der Langzeitarbeitslosigkeit. Die Jungen Liberalen lehnen klar ab: Zwangsmaßnahmen gegen arbeitslose Jugendliche, wie Arbeitspflicht oder eine Koppelung des Arbeitslosengeldes an Auflage darf es nicht geben. Besondere Probleme junger Frauen Viele junge Frauen wollen berufstätig sein, ohne deswegen in ihrer Partnerschaft auf Kinder verzichten zu müssen. Nach einer längeren "Kinder-Pause" haben sie jedoch große Schwierigkeiten, wieder einen Berufseinstieg zu schaffen. Zu lange waren sie von notwendigen Informationen über neue Entwicklungen fast ganz abgeschnitten, der alte Arbeitsplatz ist meistens inzwischen besetzt und ihre eigene Flexibilität ist durch ihr/e) Kind(er) örtlich und zeitlich eingeschränkt. Die Jungen Liberalen fordern vom Bund: Väter, die in nichtehelichen Lebensgemeinschaften die Aufgabe der Kinderbetreuung übernehmen, sind finanziell genauso zu stellen, wie Mütter. Die Jungen Liberalen fordern vom Land Bayern und von anderen Schul- und Kindergartenträgern: Die Öffnungszeiten der Kindergärten müssen so gestaltet werden, dass die Kinder erst nach dem Ende der üblichen Arbeitszeit abgeholt werden müssen. Die Schulen sollen verstärkt am Nachmittag Hausaufgabenbetreuung und - in Zusammenarbeit mit Jugendzentren und anderen Trägern der freien Jugendarbeit - Freizeitaktivitäten anbieten. Hierfür sind die nötigen Planstellen auszuweisen. Die Jungen Liberalen fordern von den Tarifparteien: Die Flexibilisierung der Arbeitszeit ist verstärkt voranzutreiben. Auch Teilzeitarbeit muss auf einer flexiblen Basis angeboten werden. Die Jungen Liberalen fordern von den Unternehmen: Unternehmen, öffentliche Arbeitgeber und Kammern sollen regelmäßige Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen durchführen, die auch in anspruchsvollen Berufen einen Wiedereinstieg ermöglichen. Die Jungen Liberalen schlagen vor, für den Fall einer regelmäßigen Teilnahme an einer derartigen Maßnahme seitens des jeweiligen Unternehmens für einen bestimmten Zeitraum eine Weiterbeschäftigungsgarantie auszusprechen. Die Jungen Liberalen fordern von den Partnern einer Lebensgemeinschaft: Kinder sind nicht Frauensache, Partnerschaft bedeutet auch Teilung dieser Aufgabe. Gerade beim Wiedereinstieg in den Beruf sind junge auf die - eigentlich selbstverständliche - Unterstützung ihres Partners angewiesen. Gemeinsame Verantwortung in einer Partnerschaft heißt auch, dazu beizutragen, dass Kinder nicht automatisch in die Arbeitslosigkeit führen.

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